Vogel-Portal
Beiträge der letzten 24 Std.
Zurück   Vogel-Portal Forum > Allgemein > Tierschutz

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 30.11.2004, 19:45   #1
Pandion
mit Kücken
 
Benutzerbild von Pandion
 
Registriert seit: 07.2003
Ort: Niederschlesische Oberlausitz
Beiträge: 8.178
Adlerkampf gegen Lausitzer Windräder

Themen des Tages aus der Lausitzer Rundschau vom 26.11.2004

Ein Förster aus dem Elbe-Elster Kreis stellt sich erbittert vor Brandenburgs Wappentier. Er sieht die Seeadler in seinem Revier durch in der Nähe geplante Windräder vom Schredder-Tod bedroht. Bei Peitz hat das Umweltministerium mit Rückenwind der EU den Bau eines Mega-Windparks deshalb erst einmal blockiert. In Hillmersdorf hingegen wollen die Behörden nicht eingreifen. Offenbar gilt für die Lausitzer Greifvögel: Alle sind gleich, nureinige sind gleicher.
Das Gehölz knackt, die Wege sind morastig. Aufgeschreckte Kolkraben krächzen am Himmel.Förster Fritz Quitter(49) kennt fast jeden Baum in seinem Revier bei Lichtena(Elbe-Elster-Kreis). Seit 27 Jahren streift er regelmäßig durch seinen 3000 Hektar großen Forst. Doch abens genießt Quitter oft einfach nur die Einsamkeit des Waldes.
Dann beobachtet er, wie Fledermäuse aus einer hohlen Fichte flattern, besucht die Fischotter, spürtden Fischadler oder den Kranichen nach, für die er extra auf einer Lichtung Büsche hat entfernen lassen, oder verfolgt das Treiben der Waldwasserläufer, die sich an den alten, inzwischen wieder geöffneten Torfstichen tummeln.
Greifvögel lassen sich diesmal zwar nicht blicken. "Das ist aber einmalig, wenn einer der bei uns heimisch gewordenen Seeadler mit 2,40 Meter Spannweite über sie hinwegfliegt", erklärt Quitter -und seine Augen blitzen vergnügtunter seinen buschigen Brauen. "Ich freue mich, was wir hier in jahrzentelanger Kleinarbeit erreicht haben."
Doch dann legt sich die Stirn des 49-Jährigen in Zornesfalten. "500 000 Euro hat die Renaturierung und die Wiederansiedlung dieser Tierarten im Laufe der Zeit in meinem Revier gekostet - alles Steuergelder", sagt er und schiebt nach:"Das ist das bislang größte Renaturierungsprojekt in Brandenburg. Doch nach all dem kommen die einfach mit ihren Windkraftanlagen hierher und machen alles kaputt".
Förster Quitter startet den Motor seines Geländewagens, die Räder wühlen sich eine Anhöhe hoch. "Genau hier, nur wenige hundert Meter Luftlinie vom Brutplatz der Kraniche und vom Horst der Seeadler entfernt, sollen bei Hillmersdorf und Trebbus Windräder aufgestellt werden", schimpft er und seine Lippen unter dem grau-melierten Schnautzer werden schmal. "Die Seeadler folgen doch den Wildgänsen bei der Jagd hierher". Er schüttelt den Kopf. "Die müssten dann irgentwie zwischen den Windrädern Slalom fliegen".
Rotorblätter töten Tiere

Quitter weiß, dass das nicht geht.Nich nur für Jungvögel oder Fledermäuse wäre ein derartiger Zickzackflug ein Himmelfahrtskommando. Auch Mäusebussard, Turmfalke, Schwäne, Störche, Singvögel und Kraniche müssen dran glauben - die Rotorblätter träfen die Tiere in der Luft, würden ihnen die Flügel abtrennen oder sie erschlagen.
Schon mehr als 700 tote Tiere, darunter gut 60 verschiedene Vogel- und fast alle Fledermausarten haben Helfer brandenburgischen Landesumweltamtes bei sporadischen Kontrollen unter weniger als 200 Windrädern gefunden. "Die Dunkelziffer ist hoch", sagt Frauke Zelt, Pressesprecherin des brandenburgischen Landesumweltamtes. "Besonders für den Seeadler und den Rotmilan stellen Windräder eine Gefahr dar. Das ist ein Konflikt, bei dem wir abwägen müssen".

Dorfbewohner gespalten

Ökologie steht dabei gegen Ökonomie. Der Trebbuser Ortsbürgermeister Andreas Ritter zum Beispiel hat in seinem Dorf eher eine Stimmung gegen die Windräder ausgemacht. "Wir als Gemeinde waren wegen des Geldes dafür", sagt hingegen seine Hillmersdorfer Kollegin Gertraud Lentge. Bis zu 50 000 Euro Einnahmen pro Windrad soll der Investor dem Dorf Gerüchten zufolge versprochen haben.
Die Windkraft ist ein einträchtiges Geschäft. Als windreiches Binnenland profitiert das Land Brandenburg vom Boom der Branche. Um die 72 Standorte, die der Regionalplan Wind für Südbrandenburg als geeignet ausweist, balgen sich die Investoren. Geschätzt mehr als 1000 Menschen hat die Windenergieerzeugung in der Mark schon in Lohn und Brot gebracht.
Seit 1996 hat sich die Anzahl der Windräder im Lnad nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie auf kanpp 1700 versechsfacht. In Sachsen waren Mitte des Jahres 654 Anlagen in Betrieb.
Doch bei deren Baugenehmigung hatten sich Bauherren und Vogelschützer offenbar geirrt: Windräder drehen sich zwar scheinbar langsam, doch die Rotorblätter erreichen an den Flügelspitzen Geschwindigkeiten von mehr 200 Stundenkilometern. "Denen entkommt keiner", hat Landesumweltchef Matthias Freude erkannt. "Nicht einmal die am schnellsten fliegenden Vögel".
Das Verwaltungsgericht Dresden zum Beispiel hat deshalb vor gut einem Jahr aus Sorge um das Wohlergehen zweier Fledermausarten den Bau von zwei Windkraftanlagen im Landkreis Bautzen untersagt. Diese Tiere wären durch die Windräder in Prischwitz bei Göda besonders gefährdet, urteilen die Richter.
Auch das Land Brandenburg tritt inzwischen auf die Bremse. So blockiert das Umweltministreium seit Monaten die Unterzeichnung eines unterschriftsreifen Pachtvertrages für einen geplanten Mega-Windpark in Preilack bei Peitz. Eine 70-Millionen-Euro-Investition mit 25, maximal 30 Windrädern steht auf der Kippe - wegen einiger seltener Seeadler, die dort ihre Kreise ziehen. "Wir suchen natürlich mit dem Unternehmen nach Lösungen, aber die Chacen für Windkraftanlagen dort sind gering", sagt Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade.
Vogelschützer haben mittlerweile Oberwasser. Die EU hat ihnen denRücken gestärkt, weil sie dieses Gebiet neben anderen zu einer Important Bird Area (IBA - Wichtige Vogelgebiete) erklärt hat. Landesweit stehen deshalb Windeignungsflächen, die bereits vor drei Jahren im Regionalplan Wind genehmigt worden waren, erneut auf dem Prüfstand.
"Bei der Ausweitung der brandenburgischen Vogelschutzgebiete müssen Veränderungen vorgenommen werden", sagt Frauke Elt. In Preislack hat das Land bereits ein Vogelschutzgebiet über die Fläche gelegt. "Obwohl dieses Areal zuvor als Windeignungsgebiet genehmigt und Tierschutzbelange dort in einem ausfühlichen Prozess abgewogen und berücksichtigt worden waren", ärgert sich Bernhard Weigel, Projektplaner ber der Boreas Energie Gmbh in Dresden. "Das ist leider kein Einzellfall. Wir verhandeln weiter".
Revierförster Fritz Quitter hofft indes auch für Hillmersdorf und Trebbus auf eine "Preilacker Lösung". Er beschwert sich: Im Vorfeld der Standortplanung für die Windräder sei er gar nicht gehört worden. "Vieleicht ganz bewusst".

Behörden dämpfen Erwartungen

Das Regionalplanungsamt dämpft allerdings Quitters Erwartungen. Die Vogelschutzbelange seien durch die im Plan festgelegten Abstände der Windräder zum Seeadlerhorst berücksichtigt, verlautet aus der Behörde. "Das ist kein Vogelschutzgebiet", erklärt Frauke Zelt vom Landesumweltamt. Einen Fischadlerhorst gebe es dort nicht. Ein Gutachten zum Fledermausbestand liege zudem nicht vor. "Nach Abwägung auch der vorgetragenen Bedenken das Naturschutzreferates haben wir deshalb den Bau von fünf Windkraftanlagen bei Hillmersdorf genemigt. Es gibt andere Standorte, die weitaus brisanter sind".
Revierförster Quitter will dennoch nicht aufgeben. "Die sollen sich doch in Landeswindkraftamt umbenennen", erregt er sich. Schweigen. Dann fragt er: "Wollen die sich wirklich anmaßen, Gott zu spielen"?

Liebe Grüße von Silke
__________________
Jedes Kind ist ein Zeichen der Hoffnung für diese Welt.
Pandion ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.12.2013, 09:48   #2
Waechter
Registrierter Benutzer
 
Benutzerbild von Waechter
 
Registriert seit: 05.2011
Ort: Hessen , Wiesbaden
Beiträge: 2.104
Zusammenhänge erkennen ist notwendig

Ich bekam auch Mitteilung zu einem Vogelschlag von einer Ornithologen-Gruppe.
Um zu verstehen was die Windkraftanlagen für Vögel so gefährlich macht, habe ich recherchiert wie die Geschwindigkeiten der Rotorblätter anzusetzen sind und bin hier zu sehr guten Wiki - Informationen gekommen.

Spoiler Rotorblattgeschwindigkeit:
http://de.wikipedia.org/wiki/Windkraftanlage#Auslegung_des_Rotors:_Schnelllaufz ahl_und_Rotorblatt-Anzahl

ZITAT:
Optimiert wird ein Rotor für den Bereich unterhalb der Nennleistung des Generators.
Eine für die Auslegung jeglicher Strömungsmaschinen wichtige Kennzahl ist die Schnelllaufzahl (lambda).
Sie gibt das Verhältnis der Umfangsgeschwindigkeit (der Rotorspitzen) zur Windgeschwindigkeit an.
Bei gleicher Schnelllaufzahl scheinen sich große Rotoren im Vergleich zu kleineren gemächlich zu drehen,
kleinste drohen gar zu zerreißen. Moderne Dreiblattrotoren haben Schnelllaufzahlen von 6 bis 8.

Das bedeutet, dass sich die Blattspitzen bei 40 km/h Windgeschwindigkeit mit 240–300 km/h quer zum Wind bewegen.

Da haben Vögel leider keine Chance, wenn sie zwischen den Rotorblättern hindurch fliegen wollen.

Auswirkungen auf die Umwelt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Windkra...auf_die_Umwelt.


Gruß, Waechter
__________________

.* Waechter 2011 *
Es gibt nichts Gutes.
Es sei denn, man tut es!
Waechter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.02.2018, 17:37   #3
Waechter
Registrierter Benutzer
 
Benutzerbild von Waechter
 
Registriert seit: 05.2011
Ort: Hessen , Wiesbaden
Beiträge: 2.104
Interessante Bilder

Mir ist kein besserer Platz eingefallen, als hier auf diese Seite hinzuweisen.

Greifvögel

Gruß, Waechter
__________________

.* Waechter 2011 *
Es gibt nichts Gutes.
Es sei denn, man tut es!
Waechter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.02.2018, 19:39   #4
Werder
Registrierter Benutzer
 
Benutzerbild von Werder
 
Registriert seit: 04.2011
Ort: Unterlunkhofen, Schweiz
Beiträge: 3.406
Unglücklich Es ist zum Heulen !

Dieser " Ökostrom " mit seiner geballten Ladung grauer Energie inklusive .
Wer hat das bei Euch politisch mitgetragen ? Welche Geister die ich rief ?
__________________
Der beste Zeigervogel ist ein Apus apus
Meine Bilder sind nicht ( C)

Alpenseglergruss Markus
Werder ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.02.2018, 20:50   #5
Werder
Registrierter Benutzer
 
Benutzerbild von Werder
 
Registriert seit: 04.2011
Ort: Unterlunkhofen, Schweiz
Beiträge: 3.406
Fakten - keine Alternativen

https://www.youtube.com/watch?v=zkbU1tS_UQc
__________________
Der beste Zeigervogel ist ein Apus apus
Meine Bilder sind nicht ( C)

Alpenseglergruss Markus
Werder ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 03:10 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.8.2 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2018, Jelsoft Enterprises Ltd.
Copyright by M. Ganswindt