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Alt 08.07.2019, 15:30   #1
Rabenvater
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Es gibt sie noch, den "Herrn Meyer", den "Dicken Max" und die "Fleckige"!

Liebe Rabenkrähen-Freunde,

es ist schon ziemlich viele Jahre her, daß ich mich im Vogel-Portal zu Wort gemeldet habe. Aber heute habe ich gerade ein bißchen Zeit, denen, die sich noch an die Rabenkrähen "Herr Meyer" und "Fleckige" erinnern können, zu berichten, wie esden schwarzen Gesellen geht.

Kurz die Vorgeschichte zum "Herrn Meyer": Er wurde uns von einer Bekannten (Frau Meyer) als ganz junges und noch fast nacktes Krähenküken gebracht. Aus den Federkielen lugten neben schwarzen auch weiße Federnspitzen heraus. Zu Ehren der Überbringerin (sie konnte das Küken nicht aufziehen, weil sie 3 Katzen in Iihrer Wohnung hatte) nannten wir das Vögelchen "Frau Meyer". Es wuchs zunächst nur in unserer Küche auf und wurde eine schwarzweiße Jungkrähe. Die weißen Federn waren aber so brüchig, daß die "Frau Meyer" absolut nicht fliegen konnte. Wir bauten ihr im Garten eine Voliere mit etlichen Ästen drin. Da hielt sie sicht tagüber auf. Nachts holten wir sie immer herein in die Küche. Nach einem Jahr mauserte "Frau Meyer" und wurde, wie es sich gehört, kohlrabenschwarz. /Und dann lernte sie auch ganz schnell das Fliegen. Fortan durfte sie die grenzenlosen Freiheit genießen, hielt sich aber fast nur im Garten und der näheren Umgebung auf. Das Küchenfenster stand immer auf zum Hinaus- und Hereinfliegen. Die Nächte verbrachte sie anfangs immer in der Küche. Später schloß sie sich ihren "wilden" Artgenossen an uns nächtigte mit ihnen auf deren Schlafbaum. Im Laufe des Vormittags kam sie täglich zurück in unseren Garten. An einem sehr kalten Wintertag ist die "Frau Meyer" dann spurlos verschwunden. Ich suchte ein paar Tage lang erfolglos die Gegend ab und war überzeugt, daß sie aus irgendeinem Grund ums Leben gekommen ist. Doch Ende März kam mir eine der Rabenkrähen, die immer wieder in unserem Garten auftauchten, von der Haltung und den Bewegungen her bekannt vor. Ich ging hinaus und rief "Frau Meyer": Und siehe da, die gerufene Krähe kam sofort und hatte nicht die geringste Angst vor mir. Ich servierte ihr fortan regelmäßig das ihr gut bekannte Futter und sie fraß mir auch wieder aus der Hand. Sie füllte ihren Kehlsack und flog weg. Schließlich beobachtete ich, wohin sie flog und stellte fest, daß ihr Ziel ein ganz neu errichtetes Krähennest in der Nachbarschaft unseres Hauses war. Als "Frau Meyer" dort ankam, tauchte aus dem Nest ein Krähenkopf auf. Damit war geklärt, daß wir nicht eine "Frau Meyer", sondern einen "Herrn Meyer" aufgezogen hatten. Das Ehepaar "Meyer" blieb zwar jahrelang da, mußte aber schließlich doch ihr Revier verlagern.Ich hielt zawar lange Zeit regelmäßig Kontakt vorallem zum "Herrn Meyer", verlor ihn dann aber doch aus den Augen. Doch im vergangenen Jahr 2018 mußte ich für eine Fernsehsendung mit dem "Schmitt Max" (Bayer. Fernsehen / Freizeit-Magazin) im Obstgarten des hiesigen Klosters eine Wiesenfläche für Dreharbeiten mit der Sense feimaähen. Und dabei sah mir eine Rabenkrähe von einem Obstbaum aus zu und hatte keine Scheu. Bei näherem Hinschauen entdeckte ich ein untrügliches Kennzeichen: Der ziemlich zutraulichen Rabenkrähe rutschte beim Sitzen ein Flügel immer ein wenig herunter. Da war mir klar, es ist der "Herr Meyer", der mir beim Mähen zuschaut und keine Angst hat! Das Kennzeichen des herrunterrutschenden Flügels ist deshalb unverwechselbar, weil sich "Herr Meyer", als er noch "Frau Meyer" hieß, diese Verletzung einmal durch einen Unfall bei der Flucht vor seinen zu ihm nicht ganz freundlichen Artgenossen zugezogen hatte. Dieses Kennzeichen behielt er immer bei, bis ich ihn aus den Augen verlor. Aber nun besuche ich ihn täglich und bringe ihm ein paar Leckerbissen. Und er wartet täglich auf meinen Besuch, begleitet von seiner Ehefrau. "Herr Meyer" ist jetzt schon über 16 Jahre alt und ich hoffe, daß die Freundschaft noch lange bestehen bleibt.

So, und nun kommt die 2. Rabenkrähen-Geschichte, die aber auch ziemlich eng mit der "Meyer"-Geschichte zusammenhängt. Als nämlich der "Herr Meyer" als Küken zu uns kam, war unser Garten schon jahrelang ein Teil des Reviers des "Dicken Max" und seiner Efefrau "Fleckige". Beide sind noch immer da und dürften schon mindestens 22 Jahre lang ein Paar sein. Vor dem "Herrn Meyer" zogen wir die Rabenkrähe "Sofie" auf. Sie lebte über 2 Jahre lang als frei fliegende Krähe bei uns mit Familienanschluß und jederzeit freiem Zugang zu unserer5 Küche. Auch sie verließ uns dann von einem Tag auf den anderen. Ich nehme an, daß sie sich einem flotten Galan an die Brust geschmissen hat und mit ihm ein passendes Revier eroberte und eine neue Rabenkrähen-Familie gründete.
Der "Dicke Max" und die "Fleckige" hatten "Sofie" die ganze Zeit in unserem Garten geduldet und sie nicht behelligt. Die "Fleckige" war mir schon vor der Zeit mit "Sofie" deshalb aufgefallen, weil sie weiße Flecken in ihrem Gefieder hatte. Daher auch der Name "Fleckige". Ihr weißes Muster hat sie aber in jedem Jahr gewechselt. Symmetrisch angeordnete kreisrunde weiße Flecken auf den Flügeln, symmetrische weiße Streifen, ein kreisrunder Fleck im Schwanzgefieder, weiße Flecken um den Kopf oder völlig unregelmäßig weiß gesprenkelt auf dem ganzen Rücken - so war ihr jährlich wechselndes Gefieder. Ca. 10 Jahre lang hat sich die "Fleckige" so gekleidet. Die Jungen, die sie in jedem Jahr aufzog und die als Halbwüchsige unseren Garten bevorzugt aufsuchten, waren immer makellos rabenschwarz und ohne jegliche weiße Flecken. Doch dann war ganz abrupt Schluß mit der schwarzweißen Mode. Die "Fleckige" behielt zwar ihren Namen, hat sich aber nur noch rabenschwarz gekleidet.Manchmal hatte ich den Verdacht, daß sich der "Dicke Max" von seiner Gefährtin getrennt und eine neue Herzensdame angelacht hat. Doch seit heuer ist es klar. Die "Fleckige" ist noch immer dieselbe "Fleckige"! Sie trägt wieder "Schwarzweiß"! Am Bug der Flügel hat sie je einen deutlich sichtbaren weißen Fleck und wenn man beim Tiefflug und Landeanflug auf den Rücken sieht, erkennt man deutlich die weißgrauen Streifen.
Der "Dicke Max" und die "Fleckige" haben heuer 4 Junge. Seitdem die Jungen einigermaßen gut fliegen können, sind sie ständig in unserem Garten zu Gast. Da ist für sie eine Wasserstelle, in der sie das Baden gelernt haben und in der von den Eltern das Futter eingeweicht wird, bevor es im Schlund des Nachwuchses verschwindet. Anfangs haben beide Elternteile fleißig gefüttert. Seit einiger Zeit aber lastet das Füttern und Kindererziehen fast ausschließlich auf den Schultern der Mutter. Und die "Fleckige" ist eine äußerst fürsorgliche Mutter! Sie kennt meine Frau und mich haargenau und hat keinerlei Angst vor uns. Wir, die "Fleckige" und auch der "Max" und die Jungen benützen gemeinsam und gleichzeitig unseren Garten. Diese Vertrautheit ist ganz offensichtlich das Ergebnis des schon über 20 Jahre dauernden Zusammenlebens. Es ist eine Freude, dies täglich erleben zu dürfen.

Ich wollte Euch eigentlich nur sagen, wie schön es ist, das Leben von Rabenkrähen, deren Persönlichkeit man ganz genau kennt, über Jahrzehnte begleiten und beobachten zu dürfen. Ich habe keine Ahnung, wie alt Rabenkrähen werden können und hoffe aber, daß es noch recht lange so weiter geht. Meinen Freund "Her4rn Meyer" besuche ich heute am Spätnachmittag wieder. Ich weiß, daß er jetzt im Sommer täglich ab ca. 18.30 Uhr gemeinsam mit seiner Gemahlin auf mich wartet!

Gruß / Rabenvater
Rabenvater ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.07.2019, 18:29   #2
Dodoma
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 06.2015
Beiträge: 1.094
Hallo Rabenvater,

schön das du dir die Zeit genommen hast uns die Geschichte zu erzählen
hat mich sehr gefreut!
Finde sie auch faszinierend, diese intelligenten Vögel.

Hoffe das du noch viele schöne Erlebnisse mit ihnen hast, vielleicht hören wir davon,

Gruß Maddin
Dodoma ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.07.2019, 12:26   #3
Shiva
Registrierter Benutzer
 
Benutzerbild von Shiva
 
Registriert seit: 01.2004
Ort: Hess.Lichtenau
Beiträge: 4.825
Hallo Rabenvater
Schön,wieder von Dir zu hören und ebenso von Deinen schwarzen Gesellen.Ich hoffe, sie bleiben noch lange gesund bei Euch und wir können in ein paar Jahren immer noch von ihnen hören.
__________________
Liebe Grüße Sylvia

Shiva ist offline   Mit Zitat antworten
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