Mornellregenpfeifer überraschen mit weiten Sommerreisen

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VP-Newsbot
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Mornellregenpfeifer überraschen mit weiten Sommerreisen

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Der Mornellregenpfeifer gehört zu den ungewöhnlichsten Brutvögeln Europas. Nicht nur, weil er in kargen Hochlagen und Tundren brütet, sondern auch wegen der Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern: Das auffälligere und größere Weibchen wirbt um die Männchen, legt das Gelege und zieht anschließend häufig weiter, während das Männchen die Eier ausbrütet und die Jungen versorgt. Wohin die Weibchen nach der Eiablage verschwanden, war allerdings lange Zeit nur eine gut begründete Vermutung.

Bild
Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus)
Lutz Lücker, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons


Eine jetzt veröffentlichte Studie liefert erstmals detaillierte Bewegungsdaten. Ein internationales Forschungsteam um Bart Kempenaers und Peter Santema vom Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz stattete 21 weibliche Mornellregenpfeifer mit nur zwei Gramm schweren, solarbetriebenen Satellitensendern aus. Die Vögel wurden über drei Brutsaisons auf der norwegischen Hardangervidda und an Rastplätzen in den italienischen Alpen untersucht.

Das Ergebnis ist bemerkenswert: Während des etwa siebenwöchigen Zeitraums, in dem die Weibchen ihre Gelege anlegen, hielten sich einzelne Vögel an bis zu fünf verschiedenen Standorten auf. Im Mittel besuchten sie drei Brutgebiete. Die meisten aufeinanderfolgenden Etappen lagen weniger als 100 Kilometer auseinander, doch ein Weibchen legte zwischen zwei Aufenthaltsorten 973 Kilometer zurück. Der am weitesten wandernde Vogel brachte es während der untersuchten Brutsaison sogar auf insgesamt 1.343 Kilometer.

Die Bewegungen folgten dabei einem saisonalen Muster. Zu Beginn wanderten die Weibchen überwiegend nach Norden, möglicherweise entlang der sich mit dem Frühling zurückziehenden Schneegrenze. Später wurden die Wege kürzer und stärker auf die jeweilige Region konzentriert. Das könnte damit zusammenhängen, dass die Weibchen nach Männchen suchten, deren erster Brutversuch gescheitert war.

Besonders interessant ist, dass die Weibchen an ihrem jeweils letzten Aufenthaltsort deutlich länger blieben. Der Median lag bei 41 Tagen, während frühere Aufenthalte im Mittel nur sechs Tage dauerten. Die Forschenden vermuten deshalb, dass manche Weibchen nach mehreren Paarungs- und Brutmöglichkeiten schließlich selbst zur Brutpflege beitragen. Satellitendaten allein können dieses Verhalten allerdings nicht sicher nachweisen.

Für die Ornithologie ist die Entdeckung auch deshalb wichtig, weil sie die Verbindung einzelner Populationen in einem größeren Maßstab sichtbar macht. Ein Brutgebiet, das bei herkömmlichen Beobachtungen als relativ isoliert erscheint, kann durch einzelne Weibchen mit weit entfernten Gebieten verbunden sein. Damit verändert sich auch das Bild davon, wie Populationen dieser Zugvögel miteinander verbunden sind.

Der Mornellregenpfeifer zeigt damit ein Verhalten, das bei Zugvögeln bisher vor allem von Männchen anderer Arten mit umgekehrter Rollenverteilung bekannt war. Seine sommerlichen Wanderungen sind gewissermaßen ein zweiter Zug innerhalb des ohnehin schon weiten Jahreszyklus zwischen den Brutgebieten Nordeuropas und den Winterquartieren in Nordafrika. Gerade bei einer Art, deren Fortpflanzung auf ungewöhnlich verteilten Geschlechterrollen beruht, kann die neue Perspektive helfen, die Dynamik ihrer Populationen besser zu verstehen.

Quellen:

Max-Planck-Gesellschaft – Ergebnisse der Satellitenstudie

Originalstudie – Proceedings of the Royal Society B, veröffentlicht am 2. September 2026

Informationsdienst Wissenschaft – deutschsprachige Zusammenfassung der Studie
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