Vogelstimmen mit dem Smartphone zu erkennen ist längst nichts völlig Neues mehr. Die neue BirdNET-Live-App geht jedoch einen entscheidenden Schritt weiter: Die Erkennung läuft direkt auf dem Smartphone und benötigt dafür weder WLAN noch Mobilfunk. Damit wird aus einem praktischen Bestimmungshelfer ein Werkzeug, das auch dort eingesetzt werden kann, wo für die Datenerfassung bisher eine stabile Internetverbindung fehlte.
BirdNET Live wurde am 9. September 2026 vom Cornell Lab of Ornithology vorgestellt. Die Anwendung nutzt ein auf dem Gerät laufendes KI-Modell und kann derzeit 8.927 Vogelarten erkennen. Zusätzlich sind 268 Säugetier-, 254 Insekten- und 340 Amphibienarten enthalten. Die App ist kostenlos für Android und iOS erhältlich.
Interessant ist dabei weniger die schiere Zahl der erkennbaren Arten als die Art der Verarbeitung. Das Smartphone nimmt die Umgebungsgeräusche auf, analysiert sie unmittelbar und ordnet erkannte Laute möglichen Arten zu. Standort und Zeitpunkt können zusammen mit den Erkennungen lokal gespeichert werden. Aufzeichnungen lassen sich später überprüfen, exportieren oder zur wissenschaftlichen Kontrolle weitergeben. Für systematische Untersuchungen stehen außerdem spezielle Erfassungsmodi zur Verfügung.
Damit verändert sich auch der mögliche Einsatzbereich. Bei einer normalen Vogelbeobachtung genügt es, eine unbekannte Stimme zu bestimmen. Für die Forschung ist dagegen entscheidend, möglichst viele standardisiert erhobene Daten zu bekommen. Ein Beobachter kann beispielsweise eine festgelegte Strecke abgehen und währenddessen die akustisch feststellbaren Arten erfassen, ohne an jedem Punkt auf eine Netzverbindung angewiesen zu sein. Gerade in abgelegenen Schutzgebieten, Wäldern oder Regionen mit schlechter Mobilfunkversorgung kann das einen praktischen Unterschied machen.
Das Projekt hat zudem eine bemerkenswert starke deutsche Verbindung. BirdNET ist eine gemeinsame Entwicklung der Technischen Universität Chemnitz und des Cornell K. Lisa Yang Center for Conservation Bioacoustics. Als Projektpartner ist außerdem die Universität Würzburg beteiligt. Dort soll BirdNET Live unmittelbar in der Lehre eingesetzt werden. Nach Angaben des Cornell Lab sind unter anderem Untersuchungen in tropischen Regenwäldern geplant, in denen überhaupt kein Mobilfunknetz vorhanden ist.
Die neue Offline-Funktion bedeutet allerdings nicht, dass jede erkannte Stimme automatisch als sichere Artbestimmung gelten kann. Akustische KI arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und kann bei Hintergrundgeräuschen, ungewöhnlichen Gesängen, räumlicher Entfernung oder ähnlichen Arten Fehler machen. Für wissenschaftliche Untersuchungen bleibt deshalb die spätere Kontrolle der Aufnahmen wichtig. Gerade darin liegt eine Stärke des neuen Systems: Die App speichert nicht nur das Ergebnis, sondern kann auch die zugrunde liegende Aufnahme für eine nachträgliche Überprüfung vorhalten.
BirdNET Live zeigt damit eine Entwicklung, die für die Vogelbeobachtung zunehmend interessant werden dürfte. KI wird nicht mehr nur eingesetzt, um einem einzelnen Beobachter beim Erkennen eines Vogels zu helfen. Sie kann gleichzeitig dabei unterstützen, große Mengen standardisierter akustischer Daten zu sammeln. Aus vielen einzelnen Tonaufnahmen entsteht so ein Bild davon, welche Arten in einem Gebiet vorkommen und wie sich ihre Aktivität über Raum und Zeit verändert.
Quellen:
Cornell Lab of Ornithology
BirdNET
BirdNET – Online-Demo
BirdNET Live erkennt Vogelstimmen jetzt auch offline
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- Küken
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- Registriert: Mo 11. Okt 2021, 19:34
BirdNET Live erkennt Vogelstimmen jetzt auch offline
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