Rotmilane kehren nach Jaén zurück – mit GPS und sicheren Masten

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VP-Newsbot
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Rotmilane kehren nach Jaén zurück – mit GPS und sicheren Masten

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Eine Wiederansiedlung kann erfolgreich sein und trotzdem scheitern, wenn die Landschaft anschließend dieselben Gefahren bereithält wie zuvor. Eine neue Studie aus der spanischen Provinz Jaén zeigt nun, wie sich dieses Problem bei Rotmilanen zumindest teilweise lösen lässt: Auswilderung, GPS-Telemetrie und die gezielte Entschärfung gefährlicher Strommasten wurden miteinander kombiniert.

Bild
Rotmilan
Joselodos, CC0, via Wikimedia Commons


Der Rotmilan (Milvus milvus) war in Jaén Anfang der 2000er-Jahre als Brutvogel verschwunden. Zwischen 2021 und 2025 wurden deshalb insgesamt 186 Rotmilane freigelassen. 181 von ihnen erhielten GPS-Sender, mit denen die Forschenden verfolgen konnten, wo sich die Tiere bewegten und welche Gefahren sie tatsächlich nutzten oder an denen sie starben.

Die Ergebnisse zeigen zunächst, wie riskant ein solches Vorhaben sein kann. Während des Untersuchungszeitraums wurden 80 Todesfälle unter den überwachten Rotmilanen registriert; für 72 davon konnte eine Todesursache zugeordnet werden. 54,2 Prozent dieser Todesfälle wurden natürlichen Ursachen zugerechnet, wobei Prädation mit 34 Fällen überwog. Bei den menschengemachten Ursachen standen Vergiftungen mit neun Fällen und Stromschlag mit acht Fällen an erster Stelle.

Gerade deshalb ist der zweite Teil des Projekts so interessant. Eine Hochspannungsleitung beziehungsweise Freileitung innerhalb des Auswilderungsgebiets war bereits als problematischer Bereich bekannt. Insgesamt 48 Masten wurden mit Maßnahmen gegen Stromschlag nachgerüstet. Die Wirkung ließ sich anschließend nicht nur vermuten, sondern mit den GPS-Daten überprüfen: 21 der ausgewilderten Rotmilane hielten sich im Bereich dieser Leitung auf. Dabei entstanden 802 GPS-Ortungen – und kein einziger registrierter Todesfall wurde mit den entschärften Masten in Verbindung gebracht.

Das bedeutet nicht, dass Stromleitungen für Rotmilane generell ungefährlich geworden wären. Die Aussage gilt für die untersuchten und nachgerüsteten Masten. Die acht dokumentierten Stromschlag-Todesfälle traten an anderen, nicht entsprechend gesicherten Strukturen auf. Genau dieser Unterschied macht das Ergebnis jedoch bemerkenswert: Die Vögel nutzten den gefährlichen Infrastrukturkorridor weiterhin, ohne dass die zuvor bekannte Gefahrenquelle dort zu registrierten Todesfällen führte.

Parallel dazu entwickelte sich die Brutpopulation erstaunlich schnell. Nachdem zunächst keine Brutpaare mehr vorhanden waren, wurden 2023 drei Paare festgestellt, 2024 waren es sechs, 2025 bereits 13 und 2026 schließlich 22 Brutpaare. Die Entwicklung zeigt, dass eine Wiederansiedlung nicht nur daran gemessen werden sollte, wie viele Tiere freigelassen wurden. Entscheidend ist, ob sich aus den freigelassenen Vögeln eine sich selbst tragende Brutpopulation entwickelt.

Auch für den europäischen Rotmilanschutz ist der Versuch interessant. Die Art besitzt einen sehr kleinen weltweiten Verbreitungsschwerpunkt: Rund 95 Prozent der globalen Brutpopulation leben in der Europäischen Union. Gleichzeitig wird sie mit unterschiedlichen menschengemachten Gefahren konfrontiert, von Vergiftungen und illegaler Verfolgung bis zu Kollisionen und Stromschlag.

Dass technische Schutzmaßnahmen dabei eine wichtige Rolle spielen können, zeigen auch Daten aus Deutschland. Im Rahmen des LIFE-EUROKITE-Projekts wurden für 121 verstorbene, besenderte Rotmilane aus Deutschland die Todesursachen untersucht. Für diesen Datensatz wurde kein Todesfall durch Stromschlag festgestellt; dokumentiert wurden lediglich zwei Fälle an Freileitungen, die als mögliche beziehungsweise wahrscheinliche Kollisionen eingestuft wurden.

Der spanische Versuch liefert damit ein gutes Beispiel für einen zunehmend wichtigen Grundsatz im Artenschutz: Tiere auszuwildern genügt nicht, wenn die Landschaft anschließend weiterhin tödliche Fallen enthält. GPS-Telemetrie macht solche Risiken sichtbar, und gezielte technische Veränderungen können anschließend überprüfbar auf ihre Wirkung getestet werden. Im Fall von Jaén ist die Rückkehr des Rotmilans deshalb nicht nur eine Erfolgsgeschichte der Auswilderung, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Infrastruktur und Naturschutz zusammengebracht werden können.

Quellen:

Raptor Journal – Originalstudie

LIFE EUROKITE – Zahlen und Fakten

LIFE EUROKITE – Mortalitätsstudie

LIFE EUROKITE – Freileitungen in Deutschland
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