Niedrigwasser macht den Bodensee zum Vogelrastplatz

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Registriert: Mo 11. Okt 2021, 19:34

Niedrigwasser macht den Bodensee zum Vogelrastplatz

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Der ungewöhnlich niedrige Wasserstand des Bodensees sorgt Anfang September für eine auffällige Begleiterscheinung: An vielen Uferbereichen sind großflächige Schlickflächen entstanden, die von durchziehenden Watvögeln als Rast- und Nahrungsplätze genutzt werden. Für Vogelbeobachter bietet sich dadurch derzeit eine ungewöhnliche Gelegenheit, Arten zu entdecken, die am Bodensee normalerweise nur selten auftreten.

Besonders interessant ist die Situation für Vögel aus dem Norden Europas. Grünschenkel, Bekassinen, Dunkle Wasserläufer und weitere Watvögel nutzen die freigelegten Flächen, um vor dem Weiterflug Energie aufzunehmen. Der Schlick bietet ihnen Zugang zu Kleintieren und anderen Nahrungsorganismen, die mit den langen Schnäbeln aus dem weichen Untergrund aufgenommen werden können.

Für das Eriskircher Ried, die Schussenmündung und weitere Flachwasserbereiche rund um den See ist dieser Effekt besonders deutlich. Das Bundesamt für Naturschutz weist für das Eriskircher Ried ausdrücklich auf die Bedeutung der bei Niedrigwasser entstehenden Schlammflächen für rastende Watvögel hin. Dort können sich während der Zugzeit tausende Vögel aufhalten.

Die ungewöhnliche Situation hat allerdings zwei Seiten. Niedrigwasser kann für rastende Watvögel kurzfristig zusätzliche Nahrungsflächen schaffen, während es für andere Vogelarten negative Folgen hat. Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee berichtete bereits im August, dass Flachwasserbereiche, die normalerweise als Brut- und Laichgebiete dienen, in diesem Jahr teilweise trockenfielen. Arten wie Blässhuhn, Haubentaucher und Wasserralle konnten dadurch geeignete Brutplätze verlieren. Höckerschwäne und Stockenten konnten dagegen teilweise profitieren, weil ihre Nester nicht wie in anderen Jahren durch steigende Wasserstände überflutet wurden.

Die außergewöhnliche Situation steht im Zusammenhang mit einem länger andauernden Wassermangel. Nach Angaben des Niedrigwasser-Informationszentrums Baden-Württemberg lag der Pegel Konstanz Anfang September deutlich unter dem langjährigen Mittel. Am 1. September wurden 276 Zentimeter gemessen, während der saisonale Mittelwert für diesen Tag bei 361 Zentimetern liegt. Gleichzeitig wurde bereits ein historischer Minimalwert für diesen Zeitpunkt unterschritten.

Für die durchziehenden Vögel kommt es deshalb auf die Qualität und Ungestörtheit der verbliebenen Rastflächen an. Gerade Watvögel müssen während des Zuges große Energiemengen aufnehmen. Häufiges Auffliegen durch Spaziergänger, freilaufende Hunde oder zu dicht herangeführte Beobachter kann diese Energiereserven unnötig belasten.

Der Bodensee zeigt damit momentan besonders deutlich, wie eng Wasserhaushalt und Vogelzug miteinander verbunden sind. Ein Extremereignis kann für manche Arten kurzfristig zusätzliche Nahrungsflächen schaffen, während es gleichzeitig wichtige Lebensräume anderer Arten beeinträchtigt. Die ungewöhnlichen Beobachtungen am See sind deshalb nicht nur ornithologisch interessant, sondern auch ein sichtbares Beispiel für die ökologischen Folgen veränderter Wasserstände.

Quellen:
Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg
Bundesamt für Naturschutz
OAB Bodensee
SWR
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