Vögel können mehr anzeigen als nur ihren eigenen Bestand. Weil ihre Vorkommen seit Jahrzehnten vergleichsweise gut erfasst werden, eignen sie sich auch als eine Art Frühwarnsystem für Veränderungen ganzer Ökosysteme. Genau diesen Ansatz will das neue Forschungsprojekt „TripleBird“ nun deutlich weiterentwickeln.
Das vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) gemeinsam mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung und der Universität Potsdam gestartete Projekt wird mit rund fünf Millionen Euro gefördert. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Veränderungen der biologischen Vielfalt räumlich und zeitlich besser erfassen und daraus konkrete Handlungsmöglichkeiten ableiten lassen.
Als Datengrundlage stehen ungewöhnlich umfangreiche Informationen zur Verfügung. Allein das DDA-Monitoring häufiger Brutvögel liefert mehr als 3,8 Millionen punktgenaue Beobachtungen. Hinzu kommen rund eine Million vollständige Beobachtungslisten aus dem deutschen Meldeportal für Vogelbeobachtungen. Diese Daten sollen zusammen mit Informationen über Klima, Umwelt und Landnutzung in einer neuen digitalen Infrastruktur namens „BirdTwin“ zusammengeführt werden. Interessant ist dabei vor allem die räumliche Auflösung. Das Projekt will nicht nur feststellen, dass eine Vogelart bundesweit abnimmt, sondern möglichst zeigen, wo sich ihre Bestände verändern und welche Umweltbedingungen damit zusammenhängen. Dafür werden auch historische Daten bis zurück ins Jahr 2005 einbezogen. So lassen sich beispielsweise Gebiete mit besonders starken Rückgängen oder Verbreitungsschwerpunkte einzelner Arten erkennen.
Ein erster bundesweiter Vogelmonitor soll noch in diesem Jahr veröffentlicht und anschließend jährlich aktualisiert werden. Zunächst geht es um neun Arten der Agrarlandschaft, darunter Feldlerche, Goldammer, Grauammer, Braunkehlchen und Kiebitz. Gerade diese Auswahl macht deutlich, worum es geht: Der Rückgang einzelner Vogelarten kann Hinweise auf Veränderungen der gesamten Landschaft geben. Bei der Goldammer etwa ist der Bestand in Deutschland seit 2006 um mehr als ein Viertel zurückgegangen; beim Kiebitz beträgt der Rückgang seit 1990 laut den Projektangaben sogar 80 Prozent.
Noch spannender wird das Projekt durch den zweiten Teil, „BirdFutures“. Hier sollen Modelle verschiedene Entwicklungen der Landnutzung und des Klimas durchspielen. Dadurch lässt sich beispielsweise abschätzen, welche Folgen mehr Brachflächen, eine extensivere Landwirtschaft oder zusätzliche Hecken für Vogelbestände haben könnten. Damit würde aus dem bisherigen Monitoring nicht nur ein Rückblick auf das, was bereits passiert ist, sondern zunehmend ein Werkzeug, mit dem sich mögliche Folgen künftiger Entscheidungen vergleichen lassen.
Das kann für den Naturschutz ebenso interessant werden wie für Behörden und die Landwirtschaft. Nach den Vorstellungen der Projektpartner sollen die räumlich konkreten Modelle unter anderem dabei helfen, Gebiete zu identifizieren, in denen Schutz- oder Renaturierungsmaßnahmen besonders sinnvoll sind. Auch bei der Bewertung möglicher Eingriffe in Landschaften könnten solche Daten künftig eine Rolle spielen. Damit bekommt das klassische Vogelmonitoring eine zusätzliche Bedeutung: Die Vögel werden nicht nur gezählt, um zu wissen, wie es ihnen geht. Ihre Daten können zugleich helfen, Veränderungen der Landschaft selbst sichtbar zu machen. Gerade weil für Deutschland bereits eine ungewöhnlich lange und umfangreiche Datenreihe existiert, könnte TripleBird daraus ein Werkzeug entwickeln, das weit über die Ornithologie hinaus nutzbar ist.
Quellen:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – Projekt TripleBird
Universität Potsdam – Biodiversität messbar machen: TripleBird
Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA)
World Biodiversity Forum – TripleBird
TripleBird: Mit Vogeldaten die Biodiversität sichtbar machen
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- Küken
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- Registriert: Mo 11. Okt 2021, 19:34
TripleBird: Mit Vogeldaten die Biodiversität sichtbar machen
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