Warum Menschen den Amselgesang besonders angenehm finden

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VP-Newsbot
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Warum Menschen den Amselgesang besonders angenehm finden

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Die Amsel hat unter 123 europäischen Vogelarten offenbar einen besonders angenehmen Klang. Das ist nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks: Eine neue Studie der Universität Tübingen hat erstmals systematisch untersucht, welche Eigenschaften von Vogelstimmen Menschen als besonders angenehm oder erholsam empfinden.

Dafür hörten 84 Erwachsene insgesamt 123 verschiedene Vogelstimmen und bewerteten deren Angenehmheit auf einer Skala von eins bis fünf. Die Aufnahmen stammten von in Deutschland verbreiteten wildlebenden Arten und wurden den Teilnehmern ohne Angabe des Artnamens vorgespielt. Damit sollte verhindert werden, dass Sympathien für eine bestimmte Vogelart das Ergebnis zu stark beeinflussen. Die Bewertungen wurden anschließend mit messbaren Eigenschaften der Aufnahmen verglichen.

An der Spitze stand die Amsel mit einem Mittelwert von 4,52 Punkten. Das andere Ende der Skala belegte die Schleiereule mit 1,32 Punkten. Über alle 123 Arten hinweg lag der Durchschnitt bei 3,13. Interessant ist dabei, dass die Beliebtheit nicht einfach davon abhing, ob eine Stimme besonders melodisch im menschlichen Sinn wirkt. Entscheidend waren vielmehr bestimmte akustische Eigenschaften.

Bild
Amsel
Romzig, CC0, via Wikimedia Commons


Besonders gut kamen Stimmen mit einer vergleichsweise schmalen Bandbreite, höherer Komplexität und mittlerer Tonhöhe und Lautstärke an. Sehr hohe oder sehr tiefe, extrem laute oder stark raue Klänge schnitten dagegen schlechter ab. Die Forschenden fanden außerdem keinen statistisch bedeutsamen Zusammenhang zwischen dem Alter, dem Geschlecht oder der Erfahrung der Zuhörer mit der Bewertung der Vogelstimmen. Auch Menschen, die sich nicht intensiv mit Vogelbeobachtung beschäftigen, reagierten also in ähnlicher Weise.

Das macht das Ergebnis für die Wahrnehmung von Städten und Grünanlagen durchaus interessant. Vogelgesang wird häufig als Bestandteil einer angenehmen natürlichen Umgebung wahrgenommen, und eine frühere Untersuchung des Tübinger Teams hatte bereits gezeigt, dass Menschen von einem Spaziergang in Verbindung mit bewusst wahrgenommenem Vogelgesang besonders profitieren können. In diesem Experiment mit 233 Personen sanken unter anderem die Cortisolwerte im Durchschnitt um fast ein Drittel.

Die neue Studie liefert dafür allerdings keine einfache Rangliste nach dem Motto „schönster Vogelgesang“. Sie zeigt vielmehr, dass bestimmte akustische Merkmale offenbar unabhängig von der genauen Kenntnis der jeweiligen Art als angenehm empfunden werden. Gleichzeitig bleibt offen, warum gerade diese Kombination von Tonhöhe, Lautstärke, Bandbreite und Komplexität beim Menschen so positiv wirkt. Die Autoren sehen darin einen Ansatz für weitere Untersuchungen zur Wahrnehmung natürlicher Geräuschlandschaften.

Für die Amsel ist das Ergebnis zumindest eine hübsche wissenschaftliche Bestätigung dessen, was viele Menschen morgens im Garten ohnehin erleben: Ihr Gesang verbindet relativ klare, flötende Töne mit einer erstaunlich großen Variabilität. Dass ausgerechnet eine der häufigsten Arten den ersten Platz belegt, macht die Untersuchung dabei besonders interessant. Man muss keinen seltenen Vogel suchen, um eine akustisch bemerkenswerte Naturerfahrung vor der Haustür zu haben.

Quellen:

Universität Tübingen – Originalstudie in Frontiers in Bird Science

Universität Tübingen – Forschung zu Vogelgesang und Wohlbefinden
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