Halsbandsittich (Psittacula krameri)
Clément Bardot, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
In Wiesbaden werden die dort lebenden Halsbandsittiche bereits seit 1975 erfasst. Seit 2019 gibt es zusätzlich synchronisierte Zählungen an den Schlafplätzen. Das Ergebnis ist bemerkenswert: 2019 wurden rund 2.500 Halsbandsittiche gezählt, 2024 waren es bereits 4.800. Damit hat sich der Bestand innerhalb von nur fünf Jahren um etwa 90 Prozent vergrößert. Gleichzeitig nahm auch der Bestand des Großen Alexandersittichs zu, der in Wiesbaden seit 1988 brütet. Seine Zahl stieg zwischen 2019 und 2024 von ungefähr 300 auf rund 900 Vögel.
Die beiden Arten haben also nicht nur einen kurzen Ausflug in die deutsche Vogelwelt gemacht. Der Halsbandsittich brütet inzwischen seit mehr als fünfzig Jahren in Wiesbaden, und auch andernorts bestehen seit Jahrzehnten selbsttragende Populationen. Bundesweit wird die Zahl der Halsbandsittiche inzwischen auf etwa 25.000 Tiere geschätzt. Das größte zusammenhängende Vorkommen liegt entlang des Rheins, daneben gibt es unter anderem Bestände im Rhein-Main-Gebiet und in Heidelberg.
Ihr Erfolg hat mehrere Ursachen. Halsbandsittiche sind ausgesprochen anpassungsfähig und nutzen Städte als Lebensraum. Große Bäume bieten Schlafplätze und Nahrung, Fassaden und andere Bauwerke können geeignete Bruthöhlen enthalten, und selbst kalte Winter sind offenbar kein unüberwindbares Hindernis. Die Vögel profitieren zudem davon, dass in Städten immer wieder Nahrungsquellen vorhanden sind.
Ganz ohne Folgen bleibt diese Entwicklung allerdings nicht. In Wiesbaden wurden bereits Schäden an Bäumen und Fassaden beobachtet. Hinzu kommt die Frage, ob große Bestände mit einheimischen Höhlenbrütern oder Fledermäusen um geeignete Brutplätze konkurrieren können. Genau hier ist die Datenlage noch nicht so eindeutig, wie es manche Diskussionen vermuten lassen. Das Bundesamt für Naturschutz führt Halsbandsittich und Großen Alexandersittich als etablierte gebietsfremde Arten und auf der Beobachtungsliste potenziell invasiver Arten. Die tatsächlichen Auswirkungen auf die heimische Tierwelt sind damit aber keineswegs abschließend geklärt.
Interessant ist deshalb, dass die aktuelle Wiesbadener Studie ausdrücklich weitere Beobachtungen fordert. Gemeldet werden sollen nicht nur Brutvorkommen, sondern auch Sittiche auf landwirtschaftlichen Flächen sowie mögliche positive, neutrale oder negative Auswirkungen auf heimische Vögel und Fledermäuse. Gerade außerhalb der bekannten Großstadtpopulationen könnten solche Beobachtungen helfen, die weitere Ausbreitung besser zu verfolgen.
Neben den beiden Psittacula-Arten gibt es in Deutschland sogar noch eine ungewöhnlichere Papageienpopulation: In Stuttgart lebt seit den 1980er-Jahren eine kleine Kolonie von Gelbkopfamazonen. Die Geschichte dieser Vögel geht auf entflogene Tiere zurück; inzwischen gibt es dort eine dauerhaft freilebende Population von ungefähr 50 Tieren. Damit ist Deutschland längst zu einem Land geworden, in dem mehrere ursprünglich tropische Papageienarten regelmäßig in freier Natur beobachtet werden können.
Der Halsbandsittich ist dabei mit Abstand der erfolgreichste Einwanderer. Aus einem zunächst eher kuriosen Anblick ist in manchen deutschen Städten eine dauerhafte Komponente der Vogelwelt geworden. Die spannende Frage für die kommenden Jahre ist deshalb weniger, ob diese grünen Papageien bleiben, sondern wie weit sie sich noch ausbreiten und welche ökologischen Folgen das tatsächlich haben wird.
Quellen:
Oliver Weirich – Fortgesetztes Populationswachstum von Alexander- und Halsbandsittich in Wiesbaden, Vogelwarte 64 (2026)
Landeshauptstadt Wiesbaden – Tropische Papageien im Wiesbadener Stadtgebiet
Bundesamt für Naturschutz – Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertung des Halsbandsittichs
DIE ZEIT – Papageien in Deutschland: Es grünt!