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Ernährung der Prachtfinken Teil III

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VP-Archivar
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Ernährung der Prachtfinken Teil III

Beitrag von VP-Archivar »

dacky2000 schrieb am 08.04.2008, 18:20:

Quell- Keim- oder Kochfutter

Für das Füttern von Vögeln verwendet man oft gequellte, gekeimte oder gekochte Samen und Getreidearten. Mit den erforderlichen Vorsorgemaßnahmen während der Zubereitung bilden sie einen schmackhaften und nahrhaften Bestandteil der Ration. Gequellte, gekeimte und gekochte Samen sind dadurch eine ideale Ergänzung zum täglichen verabreichten Standardfutter.

Welche Samen eignen sich dazu?

Wichtig ist, das die verwendeten Samen und Getreide von hervorragender Qualität sind. Für eine ausgeglichene Ernährung ist es wichtig, eine Mischung aus verschiedenen Samenarten zu verwenden. Als Keimsaat verwendet man Samenarten, die ungefähr gleich viel Zeit zum Keimen benötigen und deren Keime von den Vögeln gerne aufgenommen werden.

Leinsamen ist ungeeignet. Durch das Quellen dieser Samen entstehen Schleimstoffe, die eine ekelhafte, klebrige Masse bilden, die zum Verfüttern an Vögel ungeeignet ist. Auch das Quellen oder Keimen von Sonnenblumenkernen sollte vermieden werden, oder muss zumindest mit größter Vorsicht erfolgen. Sonnenblumenkerne sind sehr empfindlich für Schimmelinfektionen. Während des Keimvorgangs könne sich eventuell vorhandene Schimmelpilze sehr schnell vermehren und Toxine produzieren.

Welche Veränderungen treten während des Quellens auf?
Während des Quellprozesses entstehen unter Einfluss von Wasser, Wärme und Sauerstoff biologische Prozesse, welche die enthaltenen Nährstoffe der Samen günstig beeinflussen. Während des Quellvorganges wird ein Teil der Stärke durch das Amylase-Enzym* in besser verdauliche einfache Zucker umgewandelt. Durch das Quellen wird das Getreide weich, sodass es sehr gerne von den Vögeln aufgenommen wird. Gequellte Samen sind auch leichter zu enthülsen. Das Quellen der Samenmischungen hat einen positiven Einfluss auf das Fortpflanzungsverhalten und fördert die Brutkondition.

Welche Veränderungen treten während des Keimens auf?
Während des Keimens wird Stärke unter dem Einfluss des Amylase-Enzyms in besser verdauliche, einfache Zuckerbausteine umgesetzt. Der hohe Zuckergehalt erklärt, warum gekeimte Samen für Vögel sehr schmackhaft sind. Während des Keimens verbessert sich durch den Abbau komplexer Eiweißketten zu freien Aminosäuren und einen Anstieg des Gehalts an essentiellen Aminosäuren (u. a. Lysin) auch die Eiweißqualität.
Die Fette werden zum teil in freie Fettsäuren umgesetzt. Gekeimte Samen sind zudem reich an Vitamin A, B und E (=Fruchtbarkeitsvitamin), Kalzium, Kalium, Magnesium und den Spurenelementen Eisen, Selen und Zink. Aufgrund all dieser Veränderungen und einer Erhöhung des Feuchtigkeitsgehalts sind gekeimte Samen schneller verdaulich. Dieses ist insbesondere bei jungen und kranken Vögeln wichtig.
Der höhere Zucker- und Feuchtigkeitsgehalt macht Quell- und Keimfutter jedoch auch sehr anfällig für Fäulnis durch Schimmelpilze, Hefen und Bakterien. Eine strenge Hygiene, wobei das regelmäßige Spülen der Samen und Desinfizieren der verwendeten Behälter im Vordergrund steht, ist folglich anzuraten.

Welche Veränderungen treten beim Kochen auf?
Auch während es Kochens treten im Futter eine Reihe von wichtigen Veränderungen auf, die den Nährwert des Futters verbessern:

Aufschluss der Stärke: Während des Kochens wird die Stärke unter Einfluss von Temperatur und Wasser nahezu vollständig in leicht verdauliche Zucker umgewandelt.
Abbau von Anti-Nährungsfaktoren: In manchen Gewächsen (vor allem Hülsenfrüchten) befinden sich Anti-Nährungsfaktoren (u. a. Trypisin-Inhibitoren**). Diese unerwünschten Komponenten machen das Eiweiß weniger verfügbar. Durch das Kochen werden diese Anti-Nährungsfaktoren deaktiviert, und das Eiweiß wird leichter verdaulich.
Mikrobielle Sterilisation: Durch das Kochen werden alle im Futter vorhandenen Keime (Bakterien, Schimmelpilze, Hefen) abgetötet. Dadurch wird das Risiko für mikrobielle Ansteckung über das Futter (eines der größten Risiken beim Quellen und Keimen von Samen) sehr stark eingeschränkt.
Vitamine: Der einzige Nachteil des Kochfutters ist, das während des Kochens auch einige Vitamine verloren gehen. Jeder gut informierte Vogelzüchter weiß jedoch, das die über Samenmischungen eingenommene Vitamindosis niedrig ist, und das demzufolge Vitamine immer zusätzlich gefüttert werden müssen (z.B. Vitaminpräparate im Trinkwasser, Obst, Grünfutter)

Man kann eine Futtermenge für mehrere Tage herstellen, einfrieren, und täglich die erforderliche Portion auftauen.

* Spaltet Stärke- und Glucosebindungen
** Trypsin Inhibitor

(Spezielle Eiweiße, die das Verdauungssystem hemmen. Trypsin-Inhibitoren wie z.B. SBTI (Sojabohnen Trypsin Inhibitor) können Pflanzen vor Schädlingen schützen. Sie hemmen die Verdauungsenzyme (Proteasen) der Insekten. Von SBTI ist bekannt, dass er auch an bestimmte Verdauungsenzyme (Endopeptidasen) der Bienen bindet und damit deren Sterblichkeit erhöht.
Trypsin- (Protease-)Inhibitoren wurden auch auf gentechnischem Wege bereits in verschiedene Pflanzen eingebracht, um das Wachstum und Überleben von Schädlingen zu reduzieren.
Verschiedene pflanzliche Lebensmittel, vor allem Sojabohnen, enthalten im rohen Zustand Trypsin-Inhibitoren, die auch das menschliche Verdauungssystem stören. Hohe Temperaturen machen diese Stoffe jedoch unschädlich. Daher sollten z.B. Sojabohnen vor dem Verzehr gekocht werden. Sojaöl wird raffiniert und enthält daher diese Enzyme nicht mehr. )

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Re: Ernährung der Prachtfinken Teil III

Beitrag von VP-Archivar »

dacky2000 schrieb am 08.04.2008, 18:21:

Herstellung

Quellfutter

Die Samen gut in fließendem Wasser spülen.
12 bis 24 Stunden lang bei Zimmertemperatur quellen lassen.
Das Wasser am besten mehrmals erneuern.
Reichlich mit kaltem fließendem Wasser spülen.
Eventuell noch 1 bis 3 Stunden abtropfen lassen.
Pur oder mit Eifutter oder Obst gemischt verabreichen.


Keimfutter

Die Samen gut in fließendem Wasser spülen.
12 bis 24 Stunden lang bei Zimmertemperatur einweichen lassen.
Das Wasser am besten mehrmals erneuern.
Reichlich mit kaltem fließendem Wasser spülen.
24 bis 48 Stunden keimen lassen, bei Zimmertemperatur in einem Sieb oder einer Keimschale. Regelmäßig befeuchten oder mit einem nassen Tuch abdecken.
Anschließend mit kaltem fließendem Wasser spülen.
Pur oder mit Eifutter oder Obst gemischt verabreichen.


Kochfutter

Die Samen gut in fließendem Wasser spülen.
1 bis 3 Stunden lang bei Zimmertemperatur einweichen.
Reichlich mit kaltem fließendem Wasser spülen.
30 bis 45 Minuten lang kochen.
Die Samen abkühlen und abtropfen lassen.
Pur oder mit Eifutter oder Obst gemischt verabreichen.

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Re: Ernährung der Prachtfinken Teil III

Beitrag von VP-Archivar »

dacky2000 schrieb am 08.04.2008, 18:21:

Quellenverzeichnis

Ratgeber zur richtigen Vogelernährung (Versele Laga Informationsbroschüre)
http://www.biosicherheit.de/de/lexikon/
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Re: Ernährung der Prachtfinken Teil III

Beitrag von VP-Archivar »

dacky2000 schrieb am 20.04.2008, 18:37:

Ergänzung

Biologen raten dazu die Quellzeit nicht länger als 12 Stunden zu wählen, da dann der Gärungsprozeß schon einsetzen kann. (zu erkennen an den Bläschen)
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