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Frage zu Verhalten von jungen Eichelhähern

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VP-Archivar
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Frage zu Verhalten von jungen Eichelhähern

Beitrag von VP-Archivar »

Benno schrieb am 29.07.2015, 20:40:

Hallo!

Ich beobachte nun schon seit 2-3 Wochen drei junge Eichelhäher - seit sie zum ersten mal aus dem Nest geflogen (gehüpft) sind.
Einer von den dreien war von Anfang an schon viel kleiner.
Nun waren alle drei erst mal ca. 2 Wochen etwas weiter weg in einem Baum (ich habe sie da auch ein paar mal besucht)

Diese Woche dann kam ein Elternteil dann einmal mit einem Jungen. Dieser kam aber nicht mit auf meine Terrasse, sondern sah seinem Vater/Mutter nur von außen zu. Ich konnte den dann danach noch ein paar mal beobachten wie er sich die Terrasse angesehen hat.

Seit gestern kommen nun alle drei Jungenim Dreierpack auf meine Terrasse und futtern das weg das von den Vogelhäuschen nach unten fällt, oder nehmen sich auch mal was von dem das ich für die Eltern, oder auch die Amsel, da aufgestellt habe.

Was mir auffällt ist, dass der eine noch immer kleiner ist als die anderen beiden und anscheinend in der Entwicklung auch ein Stück zurückgeblieben.
Heute Mittag noch haben die anderen beiden dann immer gekrächzt, wenn Gefahr war, oder wenn der Kleine mal wieder "verlorengegangen" war.
Aber später dann hatte ich den Eindruck, dass die zwei ganz schnell Gefahr wittern - auch, sobald ich mich nur ein kleines bisschen hinter dem Fenster bewege - aber der Kleine bekommt das erst sehr sehr spät mit. Die zwei anderen haben ihn dann heute aber auch nicht mehr gewarnt, oder mitgenommen.

So konnte ich dann ein mal heute auch dieses süße Foto von dem Kleinen machen.
Er saß da einfach auf der Dachrinne - später dann auf dem Boden - hat kein Futter eingesammelt, sondern nur so da gessessen. Ziemlich lange.

Nun meine Fragen:
Ist das vielleicht gar nicht so ungewöhnlich, dass es einen Schwächeren gibt und er kommt schon noch hinterher?
Kann man dem Kleinen irgendwie helfen? - wobei ich mir auch nicht vorstellen könnte wie, weil er dann ja wenn ich noch näher komme schon auch wegfliegt. Aber er wirkt so schwach irgendwie.
Wahrscheinlich regelt das die Natur schon selbst, oder?

Dennoch merke ich, dass es mir einfach etwas leichter wäre, wenn ich das einordnen könnte.

Diese kleinen Kerls sind mir halt doch ans Herz gewachsen - auch die Eltern -

Danke schon mal für die Antworten.

Liebe Grüße

Benno
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Re: Frage zu Verhalten von jungen Eichelhähern

Beitrag von VP-Archivar »

Calendula schrieb am 30.07.2015, 04:37:

Hallo Magdalena
Hier passt der Begriff Nesthäkchen, der das zuletzt geschlüpfte Vogelküken bezeichnet. Haken kommt von Hocken=Nesthocker.

Dein kleiner Freund sieht, so wie es vom Foto beurteilbar ist, gut aus, guter Gefiederzustand, Äuglein klar. Mehr kann man nicht sagen. Natürlich besteht eine Möglichkeit innerer Erkrankungen, Parasitenbefall..., aber die ist bei jedem Vogel in gleicher Weise gegeben.
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Re: Frage zu Verhalten von jungen Eichelhähern

Beitrag von VP-Archivar »

Benno schrieb am 30.07.2015, 19:40:

Jetzt waren sie gearde zu dritt hier und ich konnte sie gut beobachten.
Während einer anscheinend das Sagen hat - auch immer seinen Kamm aufstellt und krächzt und eines der Geschwister ungefähr auf demselben Entwicklungsstand zu sein scheint und auch Futter aufsammelt, tut der Kleine sich sehr schwer mit dem Aufsammeln von Futter.
Sie sammeln immer hauptsächlich die kleinen Erdnussstückchen auf die von den Vogelhäuschen nach unten fallen. Aber dem Kleinsten fielen die immer wieder aus dem Schnabel, nur manchmal hat er es geschafft eines zu schlucken.

Als sein großes Geschwisterchen dann an das Schälchen mit den halben Erdnüssen ging ist der Kleine hinter ihm mit flatternden Flügeln rumgehüpft und hat den Schnabel aufgehalten - so als wäre er noch im Nest - und wollte dann auch klar die Nuss haben die der andere noch im Schnabel hatte als er wegfliegen wollte. O das hat mir gerade fast das Herz zerrissen.

Und jetzt kurz danach war Benno da - also ein Elternteil - und der hat ein paar halbe erdnüsse mitgenommen. Kann es sein, dass er den kleinen noch füttert?

Und nun sind gerade die zwei größeren über die Terrasse drübergeflogen - der Kleine kommt immer erst sehr spät hinterher und sein Fliegen sieht noch sehr unsicher und wackelig aus.

Du hast recht, krank scheint er nicht zu sein, aber einfach noch so weit zurück im Gegensatz zu den anderen? Kann er das noch aufholen?
O so als Mensch tut einem da echt das Herz weh sowas zu sehen.
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Re: Frage zu Verhalten von jungen Eichelhähern

Beitrag von VP-Archivar »

Sigg schrieb am 31.07.2015, 10:29:

Sagen wir es mal so, im Gegensatz zu Stubenvögeln brüten Wildvögel erst nach Ablage des letzten Eies. Also schlüpfen auch alle JV am gleichen Tag.
Andererseits werden auch/oder Wildvögeln von Krankheiten und Parasiten heimgesucht.
Wobei an 1. Stelle die Kokzidien stehen, gefolgt von Trichomonaden etc. Dann auch noch die Ektoparasiten. Also können auch JV erkranken. Ergo werden auch JV im Nest krank...betteln dann schlechter und nicht so intensiv. Daher werden dann die fitten Jv die stärker betteln, vorzugsweise gefüttert, entwicklen sich also besser.
Dann folgt noch die Prozedur des Ausfliegens. Auch in den ersten Tagen kann es zu Verletzungen durch Anfliegen/Abstürze kommen, bis sie das Fliegen richtig gelernt haben. Und das sich meinetwegen ein JV mit einer schweren Rippenprellung anders verhält, ist dann ja auch schlüssig. Ein Mensch braucht Jahre um das Laufen zu lernen, der JV hat zum Lernen des Fliegens aber nur 8-14 age Zeit.
Wenn man dann noch ganz nebenbei berücksichtigt, das 90% der sogenannten Päppelvögel die 1. Woche nach dem Entlassen in die Freiheit nicht überleben, da sie zusätzlich noch das gewaltige Manko der Nahrungssuche und des Feindverhaltens, welches narürliche aufgezogene Jungvögel von den Eltern gezeigt bekommen, bewältigen müssen, so ergeben sich für den Laien erschreckende Verlustzahlen.
Beispiel: Hat in einem guten Brutjahr ein Kohlmeisenpaar 16 Jv aufgezogen, so überleben lediglich 2 JV so lange, um selbst im nächsten jahr zur Brut schreiten zu können.
Also überleben 14 JV nicht die nächsten 10 Monate nach dem Ausfliegen.
Würden 4 JV überleben, so würde sich die Population innerhalb von 3 jahren verdreifachen und sie würden dann wiederum nicht mehr genug Nahrung finden um ihre Nachkommen aufzuziehen. Die Evolution ist eben absolut logisch.
Das mal am Rande.
Sigg
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Re: Frage zu Verhalten von jungen Eichelhähern

Beitrag von VP-Archivar »

Benno schrieb am 31.07.2015, 12:04:

Hallo Sigg,

danke für die ausfühliche Beschreibung.
In der Tat klingt das für einen Menschen doch erschreckend.
Andererseits ist es wohl so das die Natur da wohl andere Regeln hat, die grundsätzlich ja auch sinnvoll sind.
Traurig ist es trotzdem - vor allem, wenn man hier halt so sitzt und ein Stück zusehen muss wie es einer vielleicht nicht schafft, und anscheinend nichts tun kann.

Viele Grüße

Benno
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