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Frage an die Experten zu Aufzuchtfutter

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Frage an die Experten zu Aufzuchtfutter

Beitrag von VP-Archivar »

Jonathan Swift schrieb am 19.06.2016, 15:15:

Hallo,

soweit ich weiß, verfüttert man an Mauersegler Heimchen und allenfalls zur größten Not auch Beoperlen, falls keine passenden Insekten verfügbar - soweit korrekt?

Nun bin ich auf der Suche nach Online-Futterangeboten (für ganz andere, nämlich Haustiere) auf folgendes "Aufzuchtfutter" von Claus GmbH / Aleckwa gestoßen: "Für Schwalbe, Zaunkönig, Meisen, Mauersegler. Zusammensetzung: Weich- und Krebstiere, Insekten, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe"

Wie seht ihr das? Ist das zur Not eine Alternative oder fällt es in die Kategorie "allenfalls besser als Rührei"?

Viele Grüße,
JS
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Re: Frage an die Experten zu Aufzuchtfutter

Beitrag von VP-Archivar »

Calendula schrieb am 19.06.2016, 19:05:

Hallo JS
Mauersegler werden AUSSCHLIESSLICH mit Insekten gefüttert. Alles andere ist absolut tabu. Das Einzige, was man einem Segler zur Überbrückung geben kann, bevor Insekten (Fliegen, Spinnen, Schnaken, Grashüpfer) selber gesammelt oder gekauft werden können, ist eine Elektrolythlösung oder Elektrolyth-Ersatzlösung (200 ml abgekochtes Wasser + 1 gestr. Teel. Traubenzucker oder Zucker + 1 Prise Salz) tröpfchenweise an den Schnabelrand gegeben, sollte das Fundtier stark dehydriert sein.

Generell gilt: Füttern und Tränken erst, wenn das unterkühlte oder überhitzte Tier langsam auf normale Körpertemperatur von ca. 39/40 Grad gebracht wurde.

Claus Nestlings- und Aufzuchtfutter führt bei jeder Jungvogelart aufgrund der nicht artgerechten Zusammensetzung, auch nur als Notfallfutter für 1 oder 2 Tage gegeben, zu schwersten Verdauungsstörungen, die oft tötlich enden, was auf das komplette Fehlen von Verdauungsenzymen im Futter zurückzuführen ist. Das Futter choppt in Kropf und Darm an, gärt und fault. Je jünger das Vogelküken, desto schneller erliegt es der Fütterung mit diesem Futter.

Überlebt ein Küken eine Aufzucht mit Claus Nestlingsfutter oder Aufzuchtfutter, ist es aufgrund von Skelett- und Gefiederanomalien nicht auswilderbar, weil nicht überlebensfähig und sieht z. B. so aus:

(Link nicht mehr verfügbar)

Ich habe 2013 Kontakt zu der Firma Claus aufgenommen und auf die mangelhafte und ungeeignete Zusammensetzung des Futters hingewiesen sowie Fotos unterschiedlicher Vogelarten nach Aufzucht mit diesem Futter mitgesandt. Die Fotos wurden mir von Vogelpflegern zur Verfügung gestellt. Hier ein Auszug aus der Antwort vom 29.08.2013:

Uns ist mittlerweile die Problematik der Mauersegler und Schwalben bekannt (...). Wir haben bei der Neuauflage der Verpackung die Mauersegler sowie die entsprechenden Bilder weggelassen (....). Leider haben wir zu spät gemerkt, dass immer noch Schwalben auf der Verpackung stehen, was auch bei der nächsten Auflage verschwinden wird. Ihre Hinweise, auch zu den anderen Vogelarten, die auf der Verpackung stehen, grade, wenn sie von kompetenter Seite kommen, finden wir sehr hilfreich und werden beim Druck der nächsten Auflage diese mit berücksichtigen und insgesamt die Aufmachung bzw. Benennung auf der Verpackung überdenken.

Man hätte die Zusammensetzung des Futters überdenken und ändern sollen, nicht die Aufmachung der Verpackung. Fast 3 Jahre später besteht das Futter aus den selben unverdaulichen, minderwertigen Bestandteilen, Früchte wurden weggelassen, pflanzliche Nebenerzeugnisse (in der Regel zermalene Erdnussschalen, Getreidehülsen, Faserreste - alles Abfallprodukte) gehören nicht in die Segler- und Schwalbenernährung, sie dienen nur dem Erreichen eines Proteingehaltes, der Wertigkeit vorspiegeln soll, die nicht vorhanden ist.

Zusammenfassend: Kein Claus Nestlings- oder Aufzuchtfutter in der Aufzucht von Jungvögeln.

Bei Mauerseglern gilt: Lieber nicht füttern, als falsch füttern. Segler überstehen eine Nahrungskarenz indem sie in eine Hungerstarre gehen und dabei ihre Körperfunktionen auf ein Minimum reduzieren. So können sie bis zu 2 Wochen überleben. Ein Hungertag nach Fund, bis artgerechte Nahrung erworben werden kann, wird sie nicht töten, bei Gabe einer Elektrolythlösung.

Mauerseglernestlinge werden ausschließlich mit Insekten gefüttert. Hierbei ist für die Ausbildung eines intakten Hochleistungsgefieders, gesunden Organen und Skelett erforderlich, eine Vielfalt unterschiedlichsten Insektenproteins in Form verschiedener Insektenarten anzubieten.
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Re: Frage an die Experten zu Aufzuchtfutter

Beitrag von VP-Archivar »

Jonathan Swift schrieb am 19.06.2016, 21:47:

Vielen Dank für die ausführliche & lehrreiche Antwort!

Viel scheint Claus am Aufdruck allerdings nicht geändert zu haben: (Link nicht mehr verfügbar)
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Re: Frage an die Experten zu Aufzuchtfutter

Beitrag von VP-Archivar »

Werder schrieb am 20.06.2016, 22:11:

Nachtrag erlaubt ?
Beoperlen ? Ich meine Nein , in größter Not gibt diese Perle dem Segler am ehesten den Rest !
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Re: Frage an die Experten zu Aufzuchtfutter

Beitrag von VP-Archivar »

Jonathan Swift schrieb am 21.06.2016, 07:44:

Zitat:
Zitat von Werder Beitrag anzeigen
Beoperlen ? Ich meine Nein , in größter Not gibt diese Perle dem Segler am ehesten den Rest !

Danke, dass Du das noch mal korrigiert hast, früher galt das wohl noch als verbreitete Zurallergrößennot-Lösung. So hatte ich es auch noch vage im Hinterkopf, fand es aber schon immer komisch (wir hatten früher Beos, und die ernähren sich anders als MS).

Habe gerade im Archiv noch das dazu entdeckt, angeblich hat sogar die MS-Klinik früher Beoperlen empfohlen:
(Link nicht mehr verfügbar)
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Re: Frage an die Experten zu Aufzuchtfutter

Beitrag von VP-Archivar »

Werder schrieb am 20.07.2016, 22:02:

Danke für die Verlinkung
Ja , jeder hat mal angefangen - jeder hat wohl mal Fehler gemacht und gepredigt . Ich denke wir haben jedoch heute leichter Zugang zu Informationen und auch die Futtertiere sind leichter zu beschaffen als auch schon . Das letzte Wort zur Segler Ernährung ist ohnehin noch nicht spruchreif oder geschrieben . Zum Beispiel ist eine Analyse und die Rolle des Seglerspeichels noch ausstehend .
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Re: Frage an die Experten zu Aufzuchtfutter

Beitrag von VP-Archivar »

Jonathan Swift schrieb am 21.07.2016, 08:04:

Danke noch mal für die Ergänzung!

Ich hatte gestern versucht, in örtlichen Apotheken und bei meinem Tierarzt Multi-Elektrolyte für Vögel von Virbac zu besorgen, um im Fall eines Falles etwas im Haus zu haben. Bei beiden Stellen nichts zu machen, in den Apotheken verwies man mich an Tierärzte und mein Tierarzt verwies mich an die Tierklinik.

Ich werde das Präparat wohl online bestellen, denke ich, die Tierklinik ist nicht gerade um die Ecke.
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Re: Frage an die Experten zu Aufzuchtfutter

Beitrag von VP-Archivar »

Werder schrieb am 21.07.2016, 09:40:

Ringerlaktat - Lösung
Die bekommst preiswert "überall ".
Die nährt zwar nicht , aber meist will man ja damit schnellst den Wasserhaushalt ins Lot bringen damit die Vögel anschließend auch wieder das übliche verdauen können .
Die hat sich bei mir , .....natürlich bei meinen Seglern bewährt .
Tip einer Wildvogel - Pflegestation .
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Re: Frage an die Experten zu Aufzuchtfutter

Beitrag von VP-Archivar »

Calendula schrieb am 21.07.2016, 16:48:

Zitat:
Zitat von Jonathan Swift Beitrag anzeigen
Danke noch mal für die Ergänzung!

Ich hatte gestern versucht, in örtlichen Apotheken und bei meinem Tierarzt Multi-Elektrolyte für Vögel von Virbac zu besorgen, um im Fall eines Falles etwas im Haus zu haben. Bei beiden Stellen nichts zu machen, in den Apotheken verwies man mich an Tierärzte und mein Tierarzt verwies mich an die Tierklinik.

Ich werde das Präparat wohl online bestellen, denke ich, die Tierklinik ist nicht gerade um die Ecke.
Du kannst Dir eine Notfall-Elektrolythlösung herstellen mit 200 ml abgekochtem, wieder erkaltetem Wasser plus 1 gestr. Teelöffel Traubenzucker/ ersatzweise Zucker plus 1 Prise Salz.

Davon gibst Du einem dehydrierten Segler oder Singvogel solange Tropfen an den Schnabelrand, bis der Vogel einige Tropfen aufgenommen hat, was Du an Schluck-/Schmatzbewegungen erkennst.

Nicht übertreiben und den Vogel "wässern", sondern nach ca. 10 Tropfen aufgenommener Lösung aufhören und nach 1h wiederholen.

Vogelspeichel, damit auch Seglerspeichel, ist kein Mysterium, das es zu lösen gilt. Mit dem Speichel werden Verdauungsenzyme an die Nestlinge weitergegeben.
Geändert von Calendula (21.07.2016 um 16:52 Uhr)
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