Feldlerche (Alauda arvensis), Naturschutzgebiet Untere Havel Nord
Standbild-Fotografie, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
Besonders problematisch ist die Situation bei den Vögeln der Agrarlandschaft. In den untersuchten Szenarien verbesserten sich ihre Aussichten zwar, wenn Naturschutzziele stärker berücksichtigt wurden. Der durchschnittliche Bestandsrückgang wurde dadurch jedoch lediglich abgeschwächt. Kein einziges der berechneten Szenarien führte dazu, dass sich der langfristige Trend bei den untersuchten Vögeln insgesamt umkehrte.
Dabei gingen die Forschenden keineswegs davon aus, dass Naturschutzmaßnahmen wirkungslos sind. Berücksichtigt wurden unter anderem Veränderungen bei der Landnutzung, der Intensität der Landwirtschaft und Forstwirtschaft sowie unterschiedliche Entwicklungen des Klimas. Szenarien mit stärkerem Schutz und einer naturverträglicheren Nutzung der Landschaft schnitten besser ab als Entwicklungen mit weiterhin hoher Nutzungsintensität.
Die Ergebnisse zeigen vielmehr ein grundsätzliches Problem: Schutzgebiete allein können die Entwicklung der gesamten Landschaft nicht auffangen. Viele Vogelarten sind auf Strukturen angewiesen, die außerhalb klassischer Schutzgebiete liegen – beispielsweise extensiv bewirtschaftete Äcker, Brachen, Feldraine, artenreiche Wiesen oder abwechslungsreiche Waldränder. Werden solche Lebensräume intensiver genutzt oder verschwinden sie, reicht der Schutz einzelner Rückzugsräume offenbar nicht aus. CREAF – Einordnung der Studie und ihrer Schlussfolgerungen
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist bemerkenswert. Die Europäische Union verfolgt mit ihrer Biodiversitätsstrategie das Ziel, die Natur bis 2030 auf einen Erholungspfad zu bringen. Gleichzeitig ist die neue EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur bereits in Kraft. Bis September 2026 sollen die Mitgliedstaaten ihre nationalen Wiederherstellungspläne vorlegen.
Europäische Kommission – Biodiversitätsstrategie 2030
Europäische Kommission – Verordnung zur Wiederherstellung der Natur
Die Studie liefert damit weniger ein Argument gegen Naturschutz als gegen die Vorstellung, dass einzelne Maßnahmen ausreichen könnten. Wenn häufige Vogelarten langfristig wieder zunehmen sollen, dürfte es nicht nur auf zusätzliche Schutzflächen ankommen. Entscheidend ist auch, wie Landwirtschaft, Forstwirtschaft und andere Formen der Landnutzung insgesamt gestaltet werden. Gerade für die unscheinbaren Feld- und Wiesenvögel könnte sich daran entscheiden, ob sie in Europas Kulturlandschaft auch in Zukunft noch zum alltäglichen Bild gehören.